Textilien


Bei meinem Praktikum bei EMP direkt nach meinem Studium sollte ich spontan einen Skull zeichnen, besser noch mit zwei Gitarren dahinter.
Mein Ergebnis war unsauber, die Hilfslinien waren sichtbar und ich war alles andere als zufrieden gewesen mit dem Motiv. Es wurde dann aber tatsächlich das 20 Jahre EMP Jubiläums T-shirt, Auflage 20.000 und kostenlos, zusätzlich gab es das als Umhängekette, Aufkleber, Flagge.
Gefühlt die ganze Stadt rannte damit rum, das Shirt leuchtete ausserdem im Dunkeln. Es war zum Verrücktwerden. Es war überall und ich sah immer nur die Hilfslinien und Fehler in dem Motiv.
Selbst Jahre später hatte mein Nachbar in Lingen es als Flagge in seinem Garten. In meinen 4 Jahren bei EMP konnte ich viel lernen. Mein Praktikum wurde direkt zu einer Festanstellung und ich durfte den Textildesignbereich der angehängten Agentur verwalten, Motive entwickeln für Funshirts, Girlywear, nordische Rockbands und deutsche Comedians. Die Aufgaben wechselten mehrfach in der Woche, wodurch mein Zeichenstil auch recht flexibel wurde.
Ein Nebeneffekt für den ich heute noch sehr dankbar bin.
Ausgerechnet in Quakenbrück gab es eine Agentur mit eigenem Tshirt-store. Die Wünsche der Kunden wurden vor Ort produziert, Auflage idR 1. Dafür konnten wir den Shop so gestalten, wie wir wollten, in Eigen-Regie Motive entwickeln und Mousepads, Einkaufstaschen, Babystrampler, Tassen usw. bedrucken und dabei entstand auch eine Vielzahl an Artworks, die speziell für das Artland und Quakenbrück zugeschnitten waren.
Erst bei einer Textilfarm in Essen lernte ich dann den tatsächlichen Job eines Textildesigners kennen. Es wurde unter Druck vor Ort und in Bangladesch produziert, Textilien für C&A, Takko, KiK usw. Die Motive waren lizensierte grosse Brands aus dem Marvel und Disney Universum, der Job selbst war im Vergleich zu EMP natürlich sehr monoton und glücklicherweise fand ich dann den Job, der mich in das E-Learning im grossen Stil einführte und für Textilien habe ich danach nur noch sporadisch mit der EMP Druckerei in Berlin entworfen. Zielgruppe Babyshirts, ein Thema, das bei EMP überhaupt nicht vorkam.





Funshirts
Funshirts funktionieren wie Kalauer. Sie sind einmal witzig und zweimal unterhaltsam und das wars. Bei dem Rockgiganten EMP gab es pro Ausgabe stets eine eigene Rubrik der Shirts, die man irgendwann nur noch zum Renovieren trägt. Die Sachen laufen, weil man meist auch gute Laune bekommt, wenn man gute Laune trägt.
Ich habe heute noch einen Stapel Shirts aus dieser Zeit, die für mich nach Jahren immer noch funktionieren und die ich nach wie vor gerne anziehe, trotz oder gerade wegen der schlechten Gags. Siehe unten. :0)




Girlywear
Der Anspruch an ein Shirt für die Damenwelt ist natürlich ein ganz anderer.
Für Nichte Henny sollte ich mal kotzende Einhörner zeichnen und ich glaube, eines davon hatte es sogar auf ein Tshirt geschafft.
Zu EMP Zeiten wäre das sicher ein Riesenhit gewesen. Bei den Funshirts mit den grossen Küken habe ich regelmässig gestaunt, wie gut die sich verkauften.
Hier aber jetzt mal ein paar Beispiele für pfiffige Girls und solche die es werden wollten.


Goth
In den 80ern gab es gar nicht soviele Gruppierungen. Punks, Skins, Metaller, Popper und die Goth.
Das Thema Goth, sprich morbide, schwer und düster lief nicht nur für Frauen erstaunlich gut.
Sie denken, das kauft doch niemand? Ich habe mich auch gewundert.



Rock
Gerade bei EMP finden sich all die Bands, die mit Skulls, Reapern, Splatter und Galgen ihre Album Cover voll packen. Eine Auswahl davon zeige ich hier, verstehe aber, dass es nicht jedermanns Sache sein wird.
Da ich nicht mal die Musik höre und im Grunde wirklich auf Kinderbuch ausgerichtet war nach Studiumabschluss, wundert es mich bisweilen selbst, dass meine Sachen für diesen "toughen" Sektor funktionieren konnten. :0)




Drachenboot
Da hinter dem Konzern aber überwiegend ganz normale Menschen stecken, gab es auch völlig harmlose Events wie in jeder anderen Firma auch. Hier mal das Shirt, mit dem wir zum Beispiel zum Drachenboot-Rennen angetreten waren.
Sah super aus, wir haben aber trotzdem nur den zweitletzten Platz gemacht ... bei insgesamt 16 teilnehmenden Firmen. 😀
Noch ein paar Skulls zum Ausklang? Gern ...



Zehndrei
In einem Praktikum bin ich vor Jahren einmal auf eine Sekte gestossen, die so ziemlich das Gegenteil von EMP darstellen. Sie predigen, sie hören ausschliesslich Christen-Funk (doch, gibt es) und sie wollten mit mir eine Tshirtserie mit ausschliesslich religiösen Motiven erschaffen.
In der dritten Woche erfuhr ich dann, dass ich nur als Mitglied der Gemeinde dort arbeiten könne, dass nur Jesus meine Sünden reinigen könne und das stimmt ganz bestimmt auch, dennoch habe ich mich damals dazu entschieden, meine Sachen zu packen und das Praktikum vorzeitig zu beenden und nicht im Mittelalter, sondern weiterhin im Hier und Jetzt zu leben.

